Die kleinen Datensünden

Daten sind das Öl des 21sten Jahrhunderts. Was macht sie so wertvoll als Rohstoff? Zwei Dinge: Erstens, man kann mit Ihnen vorhersagen über die Zukunft treffen. Wie viel Eis muss der Supermarkt vorhalten? Welche Kosten wird ein Versicherter vermutlich der Versicherung verursachen? Zweitens, geben Daten Ansatzpunkte zur Manipulation. Reagiert dieser Wahlkreis eher auf Kinder- oder Tierschutz, ich hänge entsprechende Plakate auf. Okay, das ist auch eine Vorhersage, aber unter Einbeziehung hypothetischer Handlungsoptionen.

Daten werden wertvoller durch einen Netzwerk Effekt. Je besser sie verknüpft sind, desto potentiell wertvoller sind sie. Eins Neun Null klingt erstmal nach Datenmüll - aber Achtung, geschrieben von Henryk Gerlach, vielleicht reicht das schon? 190 cm? Oha, das könnte eine ungefähre Größe sein. Vielleicht die Größe des Autors? Damit kann man schon statistisch etwas über meine Lebenserwartung ableiten.

Es dauert vielleicht noch einige Zeit, bis Google auf die Frage “Wie groß sind die Autoren von AT” mit “einer ist etwa 190cm” antwortet. Aber es wird lange vor der Singularität passieren, die manche schon zu unseren Lebzeiten verorten (selbst wenn man groß ist).

Es ist frappierend, wie sich kleine Datenindiskretionen schnell zu einem umfassenden Gesamtbild zusammensetzen lassen. Dabei hilft es auch kleine forensische Details die verschiedene Fundstücke miteinander in Beziehung zu setzen:

  • Eine Kamera hinterlässt auf jedem Foto einen Fingerabdruck. Z.B. durch Staub auf der Linse. Wenn Sie ein anonymes Foto veröffentlichen wollen, dann haben Sie vorher besser noch kein anderes Foto mit der Kamera veröffentlicht. Sonst kann man die beiden Fotos miteinander in Beziehung setzen.
  • Wenn man einige Positions- und Zeitangaben hat - zum Beispiel von Anonymen Fotos, die mit der gleichen Kamera aufgenommen wurden - kann man das mit Mobilfunkprofilen kombinieren und relativ schnell auf Sie schließen, es sei denn, Sie bewegen sich die ganze Zeit mit Ihrer Großfamilie.
  • Wenn Ihr Smartphone Daten sendet wie viele Schritte Sie tun und in welcher Funkzelle Sie sind und das Smartphone ihres Gesprächspartners das gleiche macht, dann hat man gute Chancen die beiden Schrittmuster zu korrelieren und Sie und Ihren Gesprächspartner als Unterhaltungspartner zu identifizieren.
  • Vermutlich braucht es nicht mal die Funkzelle. Alleine aus einer genügend langen Zeitreihe Ihrer Schritte, kann man wahrscheinlich ableiten, wo sie unterwegs sind, sofern man genug Vergleichsdaten hat.

Kurz: Auch unscheinbare Informationen lassen sich durch Korrelation und Vernetzung in ein immer schärferes Gesamtbild zusammensetzen. Und wer auch immer auf diese Informationen Zugriff hat, wird sie zu seinem Vorteil und im Zweifel Ihrem Nachteil einsetzen.

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