“Radical Candor”, ein radikaler Ansatz in der Führung

Ein Kernelement der Digitalisierung ist die Veränderung von Führungsstrukturen in Unternehmen. Zentrale Begriffe hierbei sind u.A. Agilität, agile Zusammenarbeit, Future Work oder auch das beliebteste Buzzwort “New Work” - einem Sammelbegriff für neue Methoden der Zusammenarbeit in Unternehmen. Bis auf Ausnahmen ist der Bereich leider recht esoterisch angehaucht und wenig konkret. Trotzdem: dass neue Formen der Zusammenarbeit und vor allem eine Neudefinition von Leadership im digitalen Kontext wichtiger Bestandteil der Digitalisierung sind, ist unbestritten.

Einen großen Beitrag, um konkrete Ideen in das Feld zu bringen liefert nun ein Buch von Kim Scott mit dem Titel “Radical Candor” - leider bislang nur in Englisch verfügbar.

Ein wesentliches Element für Erfolg in der digitalen Welt ist die Beziehung zwischen Führungskraft und Mitarbeiter. Mögliche Ausprägungen beschreibt Scott in einer 2x2 Matrix. Die horizontale Achse steht dafür, wie sehr man den anderen direkt hinterfragt (Neudeutsch challenged). Die vertikale Achse beschreibt wie sehr die andere Person einem wichtig ist (“care personally”). Bei beiden Achsen unterscheidet man zwischen niedrig und hoch.

Radical Candor

Die Matrix beschreibt folglich 4 verschiedene Verhaltensweisen:

  1. Links oben - “Ruinous Empathy” (vernichtend einfühlsam): Der Mitarbeiter ist dem Chef sehr wichtig, will ihre Arbeit aber nie direkt hinterfragen, weil er denkt, dass jegliche Kritik den Mitarbeiter verletzen könnte. Das ist leider nicht optimal, denn das führt dazu, dass der Mitarbeiter nie echtes Feedback zu seiner Arbeit bekommt und sich nicht weiterentwickeln kann.

  2. Links unten - “Manipulative Insincerity” (manipulierend unaufrichtig): Der Mitarbeiter ist dem Chef egal und er hinterfragt dessen Arbeit auch nie. Das ist eine sehr gefährliche Situation. Der Mitarbeiter weiß nicht woran er ist und wird Stück für Stück sein Vertrauen verlieren.

  3. Rechts unten - “Obnoxious Aggression” (ekelhaft aggressiv): Das ist der stereotypische Chef-Quadrant. Die Arbeit und sogar die Person selbst wird aggressiv vom Chef hinterfragt und angegriffen. Dabei ist der Mitarbeiter selbst dem Chef herzlich egal. Hauptsache er setzt sich durch. So einen Chef haben wir wohl alle schon mal erleben müssen.

  4. Rechts oben - “Radical Candor” (radikal ehrlich): Der Mitarbeiter und seine Entwicklung sind dem Chef sehr wichtig, er ist persönlich in den Mitarbeiter investiert. Gleichzeitig hinterfragt er die Arbeit regelmäßig, offen und direkt und wünscht sich ebenfalls direkte Kritik von seinen Mitarbeitern.

Wichtig für den richtigen Einsatz des Modells

  • Kim Scott betont, dass das Modell kein Persönlichkeitsmodell beschreibt. Jeder kann in verschiedenen Situationen in einer der 4 Felder agieren. Ihr könnt das sicher bestätigen, wenn ihr an eure eigenen Interaktionen in letzter Zeit denkt.
  • Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin zu versuchen die meiste Zeit über im Feld “Radical Candor” zu sein. Nur so kann man in der digitalen Welt geschäftlich erfolgreich sein und gleichzeitig ein Umfeld schaffen, wo sich alle freuen morgens zur Arbeit zu fahren.
  • “Radical Candor” kann auch bedeuten einen Mitarbeiter, der unglücklich ist und sich nicht weiterentwickelt zu entlassen.

Neben der Matrix bietet das Buch noch weitere spannende Methoden, die besonders für Führungskräfte interessant sind. Scott hat in dem Buch ihre jahrelange Erfahrung als Führungskraft bei Google, Apple und Twitter zusammengefasst. Neben dem sehr spannenden Inhalt lässt das Buch daher tief in die Kultur der jeweiligen Unternehmen blicken.

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