Lidl stoppt riesiges SAP-Projekt

Nach sieben Jahren Entwicklung und geschätzten 500 Millionen EUR hat Lidl sich entschlossen statt SAP wieder auf seine Legacy-Software zu setzen. Zum Vergleich: Dafür hätte sich Lidl zwei Airbus 380 leisten können. Nun waren wir bei dem Projekt zwar nicht dabei und können nur spekulieren. Das lassen wir uns aber nicht nehmen 😉.

Warum scheitern solche Projekt oft so krachend?

Ein häufiger Grund ist, dass die Software “missbraucht” wird. Geschäftsprozesse und Software passen nicht zusammen, aber die Geschäftsprozesse sollen nicht geändert werden. Im konkreten Fall von Lidl war offenbar ein Problem, dass das Business lieber Verkaufspreise als Datengrundlage hatte statt Einkaufspreise. Das führt dann zu Anpassungen mit denen man sich von der Standardsoftware wegbewegt, hin zur Individualsoftware.

Aber es kommt sogar noch schlimmer. In der Regel benötigt man nur 80% der Features einer Software und die kann man meistens für 20% der Kosten entwickeln. Bei Standardsoftware benötigen unterschiedliche Kunden meistens unterschiedliche 80%. Daher ist eine Individuallösung von einem Unternehmen selten auf ein anderes ohne Weiteres übertragbar (oft eine große Überraschung bei Fusionen). Passt man die Standardsoftware jetzt mit viel Aufwand für die eigenen Geschäftsprozesse an, so hat man das schlechteste aus beiden Welten miteinander vereint. Man hat die Komplexität der Standardsoftware mit vielen Features, die man so nicht benötigt, und die Anpassungen. Das verursacht hohe Implementierungskosten, verschlechtert die Performance und steigert die Wartungskosten.

Wie kann man das Scheitern verhindern?

Also die Software kaum anpassen und stattdessen die Geschäftsprozesse? Oft ist es unternehmenspolitisch heikel und je nach Markt auch nicht immer machbar, z.B. wegen besonderen Gesetzen, Steuer- und Subventionsvorgaben, die evtl. nicht von der der Standardsoftware berücksichtigt wurden. Man denke zuletzt an die DSGVO, die von vielen Programmen eher schlecht als recht unterstützt wird. Der Software-Architekten-Guru Martin Fowler hat darauf schon vor einigen Jahren eine Antwort gegeben:

  • Standardsoftware ist für viele Unternehmen ein gangbarer Weg. Denn am Ende wollen sich viele Unternehmen auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und nicht selbst zum Softwarehaus werden.
  • Nur da, wo die Geschäftsprozesse ganz besonders wertbringend sind, sollte dann die Standardsoftware auf die eigenen Bedürfnisse angepasst werden.
  • Ansonsten gilt: Software drives Business. Prozesse, die keinerlei Differenzierung zum Wettbewerb bieten sollte man an die Software anpassen.

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